Seit die British Virgin Islands 1493 von Columbus zum ersten Mal erblickt wurden, ziehen sie Abenteurer durch ihre natürliche und ursprüngliche Schönheit in ihren Bann. Christoph Columbus, der wahrscheinlich vor Virgin Gorda ("der dicken Jungfrau") ankerte, soll die Inselgruppe nach der heiligen St. Ursula benannt haben, die der Legende nach von ihren 11.000 Jungfrauen umgeben war. Seit dem 3. Jahrhundert n.Chr. waren die BVI’s von Ciboneys, Taino Arawaks und Kariben bewohnt gewesen, die aus dem Orinoco Basin in Venezuela gekommen waren. Viele berühmte Seefahrer haben später die Inselgruppe durchfahren, unter anderem Sir Francis Drake, dessen Namen noch heute der Kanal trägt, der sich seinen Weg durch die Inselwelt bahnt.
Dänische Seeräuber siedelten sich im 17. Jahrhundert an, gefolgt von britischen, die später von den Spaniern überfallen wurden. Seit dem 18. Jahrhundert konnten die Briten die Inseln konstant unter ihrer Kontrolle halten. In den Zeiten des Sklavenhandels wurden zahlreiche Afrikaner auf die BVI’s gebracht, die hart auf den Zucker- und Baumwoll-Plantagen arbeiten mussten.
Piratengeschichte(n)
Die lokale Folklore überliefert, dass berüchtigte Piraten, ungestört von der wechselvollen Geschichte und Entwicklung an Land, ihr Unwesen auf dem Meer trieben. Norman Island ist dafür bekannt, der Schauplatz in Robert Louis Stevensons "Treasure Island" zu sein. Hier soll angeblich der Pirat Blackbeard, den es wirklich gegeben hat, nach einem besonders erfolgreichen Überfall vor Deadman's Bay geankert haben, um dort mit seiner Mannschaft die Beute aufzuteilen. Nach einem Streit setzte er 15 Mann auf der nahe gelegenen Insel Dead Chest mit nur einer Flasche Rum und ihren Schatzkisten als Gesellschaft aus. Seitdem singen die Seemänner: "15 Männer auf Deadman's Chest, Yo ho ho und eine Flasche Rum!" Einige Einheimische glauben, dass hier immer noch Schätze gefunden werden können, entweder irgendwo an Land vergraben oder in den vielen Wracks, die auf dem Meeresgrund liegen.
Die Insel Jost van Dyke wurde nach einem holländischen Piraten benannt, der einer der ersten Siedler auf der Insel war.
Britisches Erbe bis heute
Am 1. August 1834 wurde die Sklaverei auf den British Virgin Islands offiziell abgeschafft. Viele frühere Sklaven kauften Land von ihren früheren Herren, was im 19. Jahrhundert etwas besonders war und die Eigentumsverhältnisse bis heute beeinflusst. Die Abschaffung der Sklaverei wird bis heute groß gefeiert, mit dem Festival jeden Sommer.
1872 wurde die Inselgruppe als Kolonie in den Leeward Insel Verbund aufgenommen. Zum Jahrhundertwechsel wurden eigene Banken, Krankenhäuser und Schulen errichtet. Mittlerweile zählen die BVI's politisch zu einer der stabilsten Regionen der Karibik. Sie stehen weiter unter Britischem Protektorat. Neben der frei gewählten Regierung und dem obersten Minister amtiert daher auch ein ansässiger britischer Gouverneur, von der britischen Königin ernannt.
Als einer der wenigen verbliebenen Vorposten des alten britischen Reiches sind die Inselbewohner äußerst stolz auf ihr britisches Erbe und freuen sich, dass die Queen sie bisher zwei Mal während ihrer Amtszeit besucht hat. Auch andere Mitglieder der königlichen Familie sind regelmäßige Besucher.
Finanz-Dienstleistungen sind die größte Einnahmequelle für die BVI’s, der Tourismus sorgt für den größten Anteil des Bruttoinlandsproduktes und für die meisten Arbeitsplätze (30% aller Arbeiter im Jahr 2003).
Tourismus auf den British Virgin Islands
Der internationale Tourismus hat die Inseln bis in die 60er Jahre kaum berührt. Das erste Kreuzfahrtschiff besuchte die BVI’s 1960. 1964 eröffnete Laurence Rockefeller mit dem Hotel Little Dix Bay auf Virgin Gorda das erste größere Resort der BVI’s und gab damit den Anstoß für die heute extrem wichtige Tourismusindustrie. Rockefeller setzte sich außerdem engagiert für die Gründung des BVI National Parks Trust ein. 1969 folgte die Gründung von The Moorings durch Charles und Virginia Carey auf den BVI’s, dem ersten großen Charteryacht-Unternehmen, das den Beginn einer mittlerweile boomenden Branche ankündigte und heute weltweit operiert. Bis heute machen Segler den größten Anteil der Besucher der BVI’s aus.
Im Vergleich zu ihren nahe gelegenen Nachbarn, den U.S. Virgin Islands, Puerto Rico, St. Martin, St. Kitts & Nevis und Antigua, sind die BVI's immer noch bemerkenswert ruhig geblieben. Inzwischen gibt es Konzepte, die den Tourismus durch eine sorgfältig kontrollierte Entwicklung und eine Verbesserung der Infrastruktur ankurbeln sollen. |